08.04.2026

Medizin muss weiblich denken

Kommentar zum Thema Gendermedizin

Lange galt der männliche Körper als medizinische Norm. Studien wurden jahrzehntelang fast ausschließlich an Männern durchgeführt – und die Ergebnisse einfach auf Frauen übertragen. Was damals wie Effizienz wirkte, hat heute weitreichende Folgen: Frauen werden bei Herzinfarkten häufiger übersehen, weil ihre Symptome nicht dem klassischen Lehrbuchbild entsprechen. Medikamentendosen sind oft auf männliche Körpergewichte ausgelegt. Schmerzen von Frauen werden häufiger als psychosomatisch abgetan.

Das ist kein Zufall – das ist das Ergebnis einer Forschungsgeschichte, in der Frauen systematisch unsichtbar waren.

Die gute Nachricht: Das Bewusstsein dafür wächst. Gendermedizin als eigene Disziplin gewinnt an Bedeutung und zeigt, wie unterschiedlich Krankheiten bei Männern und Frauen verlaufen können. Wien ist hier auf einem guten Weg – mit Initiativen, die geschlechtssensible Medizin stärken.

Aber Bewusstsein allein reicht nicht. Wir brauchen verpflichtende Geschlechterparität in klinischen Studien, mehr Förderung für gendermedizinische Forschung und eine Ausbildung, die angehende Ärztinnen und Ärzte für diese Unterschiede sensibilisiert. Solange Medizin den weiblichen Körper als Ausnahme behandelt, ist Gleichstellung im Gesundheitswesen nicht erreicht.

Als SPÖ Frauen Meidling werden wir dieses Thema weiter laut machen – denn Gesundheit ist keine Frage des Geschlechts, aber die Medizin muss es endlich sein.

GRin Katharina Weninger
Vorsitzende SPÖ Frauen Meidling

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